Montag, 11.08.2008
ostlandreise
Vom 18. bis zum 26. April 2008 unternahmen wir eine Fahrt Richtung Osten. Mit Zwischenstopp in Wöllstein bei Bad Kreuznach, einem Besuch in Mainz, einem Aufenthalt in Marburg, einer Übernachtung in Rothenburg an der Fulda, drei Übernachtungen in Jena, einer in Hemmerstedt und einer in Sondershausen.
Eigentlich wollten wir noch nach Berlin und vielleicht an die Ostsee, aber das Geld ist nix mehr wert und andererseits waren die Köpfe (unsere) dann auch so voller Eindrücke, dass Thüringen erstmal gereicht hat. Es wurde Skizzenbuch geführt und täglich zwei Zeichnungen an einen Zeitungs-, bzw. einen Buchverlag verschickt (anonym und vergleichbar der "100 Tage - 100 Zeichnungen" - Aktion.) Nur kam erstmal nix zurück. Hier an dieser Stelle folgen jetzt in der nächsten Zeit einige Zeichnungen und einige Texte zu den Eindrücken und Erfahrungen dieser Reise.
Kapitel 1: Samstag. Letzter Tag.
Als erstes eine Skizze in der Ausstellung mit Werken von Ronald Paris, der in Sondershausen geboren wurde, und dem die Stadt eine Retrospektive im örtlichen Schloss ausgerichtet hatte.

Graphit in Skizzenbuch, 20x14cm, 26.4.08
Die Zeichnung zeigt eine Frauenfigur aus einem der Paris'schen Gemälde. (Das Skizzenbuch stammt übrigens von einem Buchbinder in Weimar).
Das überall hängende Plakat ermunterte kaum zum Besuch, allerdings das Gespräch mit Herrn Silber in der Trinitatiskirche, in der ein Triptychon Ronald Paris' zur ständigen Präsentation kam.
Die Trinitatiskirche fällt auf durch die ausladende Fürstenloge mit verschließbaren Fenstern, die sich über mehrere Geschosse zieht und eher an ein Theater erinnert. Schon früh soll der Kirchenbau eine Aufführungskirche gewesen sein (auch Franz Liszt war dort, den wir ja bereits in Weimar kennengelernt hatten), Sondershausen versteht sich nicht zuletzt aus dieser Tradition heraus als Musikstadt. Desweiteren gibt es zwei von außen über Treppen zu erreichende Eingänge in Höhe der Empore. Auch dies dem Charakter als Aufführungskirche geschuldet, damit die strömenden Menschenmassen besser zu ihren Plätzen kamen. Wer mehr wissen möchte, sollte Herrn Silber fragen, der nicht nur die Offene Kirche mitinitiiert hat, sondern ab und an vor Ort ist und sich sehr auskunftsfreudig zeigt. Er ist der erste an diesem Tag. Heute ist der Tag der Kommunikation (während sich vor 22 Jahren das Unglück in Tschernobyl ereignete).
Im Schloss dann die Paris-Retrospektive. Und wie bereits gestern im Bauernkriegspanorama zeigen sich auch hier wieder die ganzen Probleme der Malerei und Kunstauffassung in der DDR. (Man will ja immer schreiben: der "ehemaligen" DDR, was aber implizierte, dass es auch eine "jetzige" gebe...wer weiss...)
Dazu erst einmal nur kurz: Ronald Paris hat sehr gute Portraits gemalt. Und Landschaften. Problematisch wird es dort, wo er sich nicht auf die Beobachtung, die eigene Anschauung der Dinge verlässt, sondern der Kunst ein Ziel überstülpt, einen von außen gewollten Inhalt. Dieser wird so übermächtig, ist auch durch die Formalien des Bildes nicht wirklich entschlüsselbar (man muss dann wissen, was diese und jene Figur bedeuteten soll, was aber aus dem Bild selbst nicht immer unbedingt herzuleiten ist), dass er in dieser Form bildkünstlerisch nicht zu bewältigen ist; es ist eine Form gemalter literarischer Aussage. Auch ein Protest über Krieg und Gewalt lässt einen dadurch unberührt. Dies gilt durchaus auch für den Altar in der Trinitatiskirche. Dort wo er aber Mensch und Natur beobachtet ohne große Absicht, dort spürt man wirkliches Interesse und Anteilnahme und das überträgt sich auch auf den Betrachter.

Lampe in Sondershausen
Der zweite kommunikative Überfall dann in dieser Ausstellung. Eine der Aufseherinnen, in etwa in unserem Alter, vielleicht auch etwas jünger: "Darf ich fragen, von woher Sie kommen? Wir führen hier eine Statistik." Und daran anschließend: "Wie kommt man denn auf die Idee, hierher zu uns zu fahren?" Diese Frage begegnet uns heute bereits zum zweitenmal, als ob man hier, vergleichbar unserem eigenen Zuhause, dort aber aus anderem Grund, unter einem permanenten kollektiven Minderwertigkeitsgefühl zu leiden hätte. Nur Ossis interessieren sich für Ossis. Zumindest für eine so abgelegene Gegend. (Wobei das nicht stimmt; es waren auch schon Besucher aus Stuttgart in der Ausstellung. Wir halten dann allerdings doch den Entfernungsrekord. Obwohl, messt es mal auf der Karte nach...)
Jedenfalls löst die Frage einiges aus und wir genießen eine individuelle, wenn auch zurückhaltende Führung durch einige Teile der Ausstellung (den zweiten Raum hätten wir sogar komplett verpasst, denn wir dachten, es sein bereits alles gewesen, nee, da müssen sie sich auch noch den anderen Raum ansehen...)
Desweiteren auffallend in Sondershausen: nix los.

Ausblick Sondershausen
Statt netter Kneipen, wo wir denken, abends noch ein Abendbier zu trinken und eine Abendwurst zu essen, viele viele Antiquitätenläden (aha) und dann doch noch in einer Seitenstraße den Schlösserwirt. So schreib ich's erstmal hin, genaue Recherche dann heute nachmittag und Korrektur morgen früh. Laut Auskunft unserer Jugendherbergsmutter (die jünger ist als wir) eine ehemalige teure Szenekneipe zu DDR-Zeiten. Heute abend (und auch an anderen Abenden) kostet das Bier 1,70 EUR und ein Teller mit Thüringer Bratwurst und selbstgemachtem Kartoffelsalat und selbstausgedachter sehenswerter Tellerdeko für 3 EURirgendwas. Der Wessi freut sich und hätte solche Preise gerne auch zuhause, kann man aber nicht einfach als Souvenir mitnehmen...
Der Zugang zur Kneipe selbst ist auch schon eine Reise wert: durch ein Treppenhaus und viele Winkel steht man, so scheint's, vor einer normalen Wohnungstür, doch drinnen dann: kleiner Raum, Tresen, Wirt, seine Frau und/oder Freundin, die Hunde (zwei) und ein Gast. Keine Musik. Gast und Wirtsleute in Unterhaltung begriffen. C'est tout. Wir wollten während Abendbier und -wurst eigentlich ein bißchen über Sondershausen in unserem entliehenen Dumont-Kulturreiseführer über Sondershausen blättern, aber in diesem Umfeld wirkt das dann doch eher merkwürdig. Die Bratwurst gehört in unserer laufenden Testreihe zu den guten. Lecker.
Nach dem Retrospektivenbesuch beschließen wir, noch einen Abstecher in Mühlhausen zu machen und von dort aus dann den Heimweg anzutreten.

Tuebke sinniert die Völkerschlacht, Tuschen, goldfarbiger Stift, Karton, 14x19,2cm, 28.4.08
Kapitel 2: Freitag.
Freitag fuhren wir nach einer Besichtigung Buchenwalds weiter nach Bad Frankenhausen, von dem wir allerdings nicht allzuviel gesehen haben; auch den Kyffhäuser haben wir erst einmal nicht weiter bachtet, unser Hauptaugenmerk lag auf dem Bauernkriegspanorama mit dem Rundbild von Werner Tübke.
Man kann es kaum verfehlen. Schon aus großer Entfernung sieht man diesen von Außerirdischen hingepflanzten Rundbau über der Landschaft thronen.

Am Schlachtberg 9 lautet die Adresse. Und dies nicht ohne Grund. Der Parkplatz befindet sich auffallend abseits des Hauptgeschehens, nichts gegen ein paar Meter zu Fuß, traue keinem Gedanken, der nicht im Freien entstanden ist, aber dennoch ist es interessant: Man denkt unwillkürlich an sonn- oder feiertägliche Familienausflüge, wo man auf leicht mäanderndem Weg zum Ort der Belehrung und ideellen Erbauung hingeführt wird. Ähnlich barocker Treppenanlagen, die einen stetig ansteigend zielgerichtet zum Zentrum der Macht hochführen. Ich bin klein und muss da hoch. Die Familie mäandert wie auf einem Sonntagnachmittagsspaziergang zum Zentrum eines der grundlegenden Mythen der DDR.

halbverfaulte Gaststätte kurz hinter dem Parkplatz
Auch drinnen dann DDR-Grundstimmung (so stellt man es sich zumindest vor): zwei Menschen, die Eintrittskarten verkaufen, wahrscheinlich der späten Stunde geschuldet (eine Stunde vor Museumsschluss) kaum Besucher, ein Mensch, der an einer steil nach oben führenden Treppe stehend, in seiner Museumswärteruniform die Eintrittskarten abreisst und einem erklärt, dass man nun diese Treppen hoch und dann oben links usw. ...
Auf der Zwischenablage dann noch eine Ausstellung mit großformatigen Pastellen.
Dann der überwältigend große und ins Dunkle getauchte Saal. In der Mitte Sitzwürfel, auf denen Menschen sitzen und einem Vortragenden lauschen, der das Bild erklärt. Steht man ein wenig abseits, findet man diese Erklärungen ob der furchtbaren Akustik dieses Saals zunehmend nervend und störend. Alle halbe Stunde eine Erklärungsrunde (sic!, denn man dreht sich auf den Hockern mit und wird rund ums Bild erklärt): die nächste hören wir dann doch an und man sollte dies tun. Vieles erschließt sich durchaus auch ohne Vortrag, das meiste allerdings nicht. Man braucht zu vielen der dargestellten Personen und Geschehnisse Erklärungen, zumindest Hinweise, die einem die Aufmerksamkeit ein wenig lenken. Das Bild ist um ein vielfaches größer, als ich es mir vorgestellt hatte. Und es ist beeindruckend und verstörend und Fragen aufwerfend zugleich. Wie kommt man auf die Idee, sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts mit solch einer Bildsprache auseinanderzusetzen? Ist dies dem Thema gemäß und entsprechend sinnvoll? Oder ist das ganze einfach nur pompös? Ein Vergleich mit formal-inhaltlichen Ansätzen eines Anselm Kiefer etwa wäre nicht uninteressant. Oder ein Vergleich mit der Malweise und Bildsprache eines Neo Rauch. Am Ende des Vortrages wird der Saal wieder aufgehellt und langsam abgedunkelt, was eine gute Idee ist. Es wirft, im ganz einfachen, aber überzeugenden Sinne, ein anderes Licht auf die Sache.
(Die Ironie der Geschichte besteht ja nicht zuletzt auch darin, dass das Panorama endlich endlich eingeweiht wurde, kurz bevor die DDR dann einfach nicht mehr existierte.)(Von Außen sieht es aus wie ein Ding aus der Zukunft, im Innern befindet man sich plötzlich im Mittelalter).
Vor dem Besuch im Bauernkriegspanorama stand eine Besichtigung der Gedenkstätte Buchenwald.
Trefflich zum Thema werden wir hier von einem wolkenbruchartigen Regen begrüßt. Und ein folgerichtiger Gedanke beim Rundgang drängt sich später auf: auch hier muss die Sonne geschienen haben. Und was muss das für ein Gefühl gewesen sein, man war hier drin und es war schönes Wetter? Und wenn ich mich recht entsinne, wird das von Jorge Semprún in dem Roman "Was für ein schöner Sonntag" auch an einer Stelle beschrieben.
Das auf die Reise mitgebrachte Skizzenbuch endet mit den Zeichnungen aus Buchenwald. Sehr zurückgenommenen Zeichnungen; dies schien mir angemessen und auch kaum anders möglich. Später entstanden dann auf Karton "Verarbeitungen", Blätter in Mischtechniken auf Karton. Aber nicht von allem.
ELEKTRISCH GELADENER STACHELDRAHT
FLECKFIEBERVERSUCHSSTATION
LAGERBORDELL
KOPFSCHUSSANLAGE
Die Museums-Wärter in Buchenwald lesen die Bild Zeitung.
Dies und die Zeichnungen müssen als Eindruck genügen.










Sehr empfehlenswert ist auch das Buch "100 Zeichnungen aus dem Lager Buchenwald" mit Zeichnungen des ehemaligen Häftlings Paul Goyard. Sein Nachname klingt ganz ähnlich wie Goya...
Art Spiegelmans "Maus".
Kapitel 3: Donnerstag, nachmittags.
Ein Tag vor Buchenwald war Cospeda.
Cospeda 1806, Buchenwald, Schlacht im Bauernkrieg 1525 - alles auf engstem Raum. Man fährt umher, ralativ ziellos, Goethe und Napoleon waren aber immer schon vor uns da, und überall wurden Köpfe eingeschlagen.
Wenn man in Jena wohnt und über die Landstraße nach Weimar fährt, kommt man an einem Hinweisschild vorbei, auf dem die Zahl 1806 zu finden ist. Diese Zahl ist uns bei der Besichtigung des Goethehauses in Weimar bereits einmal begegnet. Goethe heiratet in diesem Jahr Christiane Vulpius. Dies hat nicht zuletzt auch seinen Grund darin, dass die Schlacht bei Jena und Auerstedt bis nach Weimar spürbar ist. Die Verwundeten liegen in den Straßen Weimars (dans la rue) und die Lage ist gefährlich.
Fährt man also dem Hinweisschild nach, landet man in einem Dörfchen namens Cospeda. Man kann dann die dort befindliche Gedenkstätte besuchen, oder einfach Richtung Napoleonstein laufen. Vor diesem Gedenkstein, der sich auf einer kleinen Anhöhe findet, steht eine Ruhebank, von der aus man Jena sehen kann, nicht zuletzt auch die obere Hälfte des Uni-Turmes. Hätten wir also heute morgen gewusst, in welche Richtung wir blicken müssten...
Man kann diese Anhöhe, diese leicht an- und absteigenden Hügel also abschreiten und sich vorzustellen versuchen, wie es war, als sich Franzosen und Preussen hier die Köpfe eingeschlagen haben. Man sollte es mal in "Krieg und Frieden" nachschlagen; die Beschreibungen der Schlachtszenen dort sind ja durchaus sehr detailreich und anschaulich. Was könnte morgendlicher Nebel für eine Rolle gespielt haben? Schlechtes Wetter?
Wir sitzen hier oben, sind todmüde und schlafen auf der Bank und gucken nach Jena und unwillkürlich denkt man, man könne sich vorstellen, wie man hier ums nackte Überleben gestritten hat, man kann fast das Schlachtgetümmel noch hören, wenn man nur ein bisschen die Phantasie anstrengt: und doch bleibt dieses Gemetzel unvorstellbar. Goethe trifft sich mit Napoleon in Erfurt 1808.
COSPEDA, Tusche und Graphit auf Karton, 13,6x17,3cm, 24.4.08
Wir beschliessen, nicht in Copseda nach einem Zimmer zu suchen, sondern auf der halben Strecke zwischen Jena und Weimar in Hemmerstedt.

Hemmerstedt

Ausblick Hemmerstedt

Ausblick in eine andere Richtung
Wir landen in einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit Gästezimmer. Abends Fahrt nach Weimar, um uns von der Stadt langsam zu verabschieden. Dort den Film "Tanz mit der Zeit" gesehen, der wohl leider in Kinos im westlichen Teil Deutschlands kaum gezeigt werden wird. Schade eigentlich. (Und auch das gehört unbedingt zu einer Reise: Besuch eines kleinen alternativen Programmkinos.)
Bei der Abfahrt am nächsten Morgen schenkt man uns noch selbstgelegte Eier. Ein längeres Gespräch mit der Mutter der Zimmerwirtin schließt sich an. Wir erfahren einiges über die Probleme der landwirtschaftlichen Produktionsweise in der DDR über mehrere Jahrzehnte, dass die Zimmer, die jetzt auf Dauer oder an Durchreisende vermietet werden, ursprünglich Schweineställe haben werden sollen, durch den Fall der Mauer dieses Geschäft aber nicht mehr rentabel gewesen sei. So quartiert man nun Gäste ein und betreibt ein wenig Landwirtschaft - allerdings ohne Schweine. Die Klassiker der Empirezeit zur Linken, die Schlacht bei Jena und Auerstedt zur Rechten, ein paar Meter weiter die Zeitzwerge, und dazwischen das Leben auf dem Dorf und gottseidank hat die Tochter jetzt Arbeit in der Fabrik in Apolda.
Kapitel 4: Donnerstag.


Wir verlassen morgens das Gästehaus nach drei Tagen und beschließen eine genauere Inspektion der Innenstadt Jenas. Ein Parkplatz an der Uni, in einer Seitenstraße der uns bereits vertrauten Ausfallstraße Richtung Weimar, lässt uns, fast wie durch Zufall, auf den Friedhof neben der Friedenskirche treffen. Eine Entdeckung. Die Kirche ist leider geschlossen, ein Hinweisschild, der Schlüssel könne im Gartenhaus abgeholt werden, stammt wohl noch aus Schillers Zeiten, ein Gartenhaus ist nicht ausfindig zu machen. Von oben sieht die Kirche allerdings recht interessant aus, wie man von der Aussichtsplattform des sogenannten "Unidurms" aus gut sehen kann.





Dieser "Unidurm" schien mir wie ein Relikt aus der Eroberungsphase der Ostländer. Er wirkt auf den ersten Blick, als habe man als phallisches Fanal der beginnenden Blüte der Ostländer einen solchen Turm zu Ehren von Carl Zeiss und Jena mitten in die Stadt gepflanzt. Falscher Eindruck: Der Turm stammt aus DDR-Zeiten und glänzt und strahlt trotzdem denkadent westlich vor sich hin, sollte aber wohl ähnlich repräsentative Zwecke erfüllen. Man kann es auch noch lesen: Es steht Intershop dran. Nur: mit Devisen kann man wohl nicht mehr bezahlen. Von oben betrachtet sieht Jena entfernt aus, der Lärm der Stadt dringt trotzdem nach oben, wird aber erträglich. In Weimar möchte man wohnen, in Jena nicht. Schillers Gartenhaus (hier hätte man sich theoretisch eine Bleibestatt vorstellen können) steht eingeklemmt zwischen dem Theater und einer weiteren dicht befahrenen Straße. Die Bank, auf der sich Goethe und Schiller abends beim Gespräch gegenüber saßen, befindet sich jetzt direkt an der Straße und man kann sie sich hier nicht mehr plaudernd vorstellen. Mit dem Lärm des Straßenverkehrs im Hintergrund hätte sich die Klassik ganz anders entwickelt...oder auch gar nicht.
Die heutige Thüringer Bratwurst wird an einem Stand auf dem Markt eingenommen. Wir lernen, dass die original Thüringer Bratwurst nicht vorgebrüht ist, weshalb der Standbetreiber das, was er an Vorrat eingekauft hat, auch möglichst bald verbrauchen muss. Vorgebrühte Bratwurst ist keine original Thüringer Bratwurst.


Kapitel 5: Mittwoch.
Klassische Stadtbesichtigung in der Stadt der Klassiker. Stadtbesichtigungen werden hier en masse angeboten, es ist aber durchaus sinnvoll, tatsächlich mal eine davon wahrzunehmen. Dass man als Gruppe öffentlich durch die Gegend geführt wird, neckt ja ein wenig die Eitelkeit, aber unter der Hand gibt es dann immer ein paar Hinweise und Tipps, die man sonst nicht bekommen hätte. Und nicht zuletzt ist es auch interessant zu beobachten, wer sich mit einem selbst so durch die Straßen führen lässt.

Stuhl im Schillerhaus

Franz Liszt
Den alten Friedhof hätten wir vielleicht auch alleine entdeckt, vielleicht auch den Weg zur Bauhaus-Schule; jedenfalls finde ich nachmittags von ganz alleine den Goetheplatz und zur Hauptpost und das dort befindliche Kino, wo abends "Tanz mit der Zeit" läuft. Auch das Haus mit der Inschrift "In diesem Haus wohnten durch alle Jahrhunderte ganz normale Weimarer Bürger" (sinngemäß zitiert, vielleicht sogar wortwörtlich) findet sich beim Sich-durch-die-Gassen-treiben-lassen.
Dass aber Goethe der guten Frau von Stein, quasi einen Steinwurf von seinem eigenen Hause entfernt, einen Gingko-Baum wie einen auf ewig lange Zeit und langsam wachsenden Phallus direkt vor die Haustür pflanzen ließ, diesen Hinweis auf den Baum hätte man missen müssen. Und dieser Gedankenschweif Richtung letzterem, wäre einem ohne Stadtführung dann halt auch nicht gekommen.
Dass die Bevölkerung in den Höhlen unter dem Ilm-Park im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Fliegerangriffen gesucht hat wäre uns ebenfalls verborgen geblieben. Ebenso fehlte einem wohl der Hinweis auf den kleinen russischen Soldatenfriedhof am Rande der Parkanlage, der nichts anderes war als eine Art Duftmarke der Sowjets, die Thüringen nach dem Krieg im Tausch gegen West-Berlin erhielten.
Überhaupt stellt sich einem die Frage nach der Zerstörung im Krieg. Hierzu scheint es allerdings unterschiedliche Ansichten zu geben, warum auch immer. Behaupten die einen, die Zerstörungen seien kaum der Rede wert gewesen, die Alliierten hätten kein großes Interesse an einem Bombardement Weimars gehabt, trotz (oder gerade wegen) der Nähe Buchenwalds, liest man andererseits sogar davon, dass Nationaltheater und Schillerhaus zerstört gewesen sein sollen.
Die sowjetische Vergangenheit des Lagers Buchenwald, das nach dem Krieg von den Sowjets einfach zu vergleichbarem Zwecke wie vorher weiter benutzt worden ist, wird einem zudem nahegelegt. Zu DDR Zeiten war dies nichts, was geschehen sein durfte.

Weimar. Alter Friedhof.
Das Schiller-Wohnhaus liegt so beiläufig am Weg, dass man es erst einmal kaum wahrnimmt. Goethe war dar ein ganz anderer Protz. Es wird einem ja immer mehr oder minder dezent die unterschiedliche ökonomische Lage der beiden angedient. Schillers Haus ist erfrischend klein. Interessant auch eine Vitrine mit Spielsachen der Kinder. Man möchte dann aber doch mal wissen, in welchen Häusern so der "normale" Weimaraner Einwohner gelebt hat. Zu jener Zeit.
(Das Gartenhaus in Jena würde einem zum Leben ja auch schon reichen, obwohl sich bei jeglicher Hausbesichtigung die Frage stellt, wie sah es eigentlich aus mit der täglichen Hygiene?)
Eine Amerikanerin versucht sich mit den Angestellten an Kasse und Museumsshop zu unterhalten und man kann aus dem ein oder anderen Satzfetzen schließen, dass ihr Vater während des Krieges wohl in Buchenwald war und sie jetzt diese Orte aus der Vergangenheit nun selbst einmal aufsuchen will...
Besuchen Sie das Liszt-Haus! Bringen Sie Ohren mit und Zeit: mit Kopfhörern ausgestattet stöpselt man sich von Musikbeispiel zu Musikbeispiel, auf kleinen Hockern sitzend möchte man doch gerne alles hören, aber irgendwann ist man einfach nicht mehr aufnahmefähig. Man notiert sich schnell noch ein paar Stücke. Les années de pélerinage. Man zieht, einen baldigen Kaffee vor dem geistigen Auge, von dannen und wünscht ein größeres Ohr. Der späte Franz Liszt sieht ein wenig aus wie der später Pierre Brice.

Stadtbesichtiger.
Der Tag endet mit einem Abendbier vor dem Schwarzen Bären. Der könnte natürlich auch Brauner Bär heißen. (So hieß im Westen aber auch mal ein Eis?)Es handelt sich um das traditionsreichste Hotel Weimars. Charlotte Buff steigt dort ab, zumindest in Thomas Manns Roman "Lotte in Weimar". Und Adolf Hitler steigt dort ab und winkt vom Balkon. in echt. Weimar war schon früh eine braune Hochburg. Nicht jede Kultur ist Hochkultur. Es gibt aber auch ein Kandinsky-Zimmer. Frag mich, wie das aussieht.
Trotzdem sitzt man hier nicht schlecht vor dem Braunen Bären mit dem Blick über den Marktplatz schweifend. Ich trinke Schwarzbier und keinen "Kleinen Braunen", den man ja bekanntlich nur in Wien bestellen kann.
Soviel Geschichte auf so wenig Quadratmetern...
Rückfahrt nach Jena ins Jugendgästehaus: eine völlig andere Welt.
Unterwegs verstehe ich Lisa nur unklar, als sie nach den Zeiss-Werken fragen will: Welche Zeit-Zwerge meint sie jetzt? Zeit-Zwerge?? Ein Denkmal, das wir irgendwo gesehen haben??? Ein Brunnen mit lsutigen kleinen Figuren? Carls Zeitzwerge werden zum stehenden Begriff.

Kapitel 6: Dienstag.
Am Dienstagmorgen unser erstes Frühstück im Jugendgästehaus. Gestern abend nach dem ersten Eindruck wollten wir am liebsten gleich wieder fahren, aber was macht man nicht alles, wenn man müde ist?
Heute morgen finden wir das alles hochinteressant. In diesem Haus übernachten ein paar Menschen wie wir, auf Durchreise, auf Reise, aber auch viele Jugendgruppen, die hier, so wie es aussieht, ein paar Tage lang Lehrgänge zu ihren Ausbildungsberufen besuchen und jetzt gleich in ihre Fortbildungen gehen. Entsprechendes Lehrpersonal. Ganz viele Menschen, die hier arbeiten. Jugendliche, die die Tische eindecken, andere, die das schmutzige Geschirr zum Abspülen wegrollen, viele arbeiten in der Küche. Sieht nach ABM Maßnahmen aus, jedenfalls werden hier Menschen beschäftigt, die wohl sonst kaum Arbeit bekämen. Das Frühstück von gestern früh ist wohl kaum zu überbieten, aber auch dieses ist akzeptabel, wenn auch sehr standardisiert - nichts außergewöhnliches. Aber wie war es denn vor vierzehn Jahren zu meiner Zeit als Nachtportier in Mainz? Das sah dort auch nicht viel anders aus...

(der Blick aus dem Plattenbau ist besser als der Blick auf den Plattenbau...)
Fahrt nach Weimar. Wir beschließen, nicht den längeren und scheint's komplizierteren Weg über die Autobahn zu nehmen, die vielen verwirrenden Schleifen gestern abend waren nervenaufreibend genug, sondern die Landstraße nach Weimar zu finden. Dies gelingt auch (im zweiten Anlauf): endlich aus dieser Stadt wieder raus, sie tut alles, um uns nicht zu gefallen. Laut, unübersichtlich, schlecht ausgeschildert.
Wir finden am Rande von Weimar einen recht hübschen und kostenfreien Parkplatz und laufen los.

Das erste, was wir von dieser Stadt der Klassiker wahrnehmen, ist der Penner, der zwischen den Bäumen schläft. Und dies kaum außerhalb des Zentrums, denn:
schneller als vermutet sind wir mittendrin, Weimar scheint überhaupt fast nur aus einem Mittendrin zu bestehen. Wir entdecken beiläufig alle möglichen Dinge und beschließen, auf dem Marktplatz angekommen, eine Thüringer Bratwurst zu probieren. Und dies für die restlichen Tage zu einem Fixpunkt zu machen. Lisas überhaupt allererste Thüringer Bratwurst ist eher nicht auf Fortsetzung angelegt. Aber die nächsten Tage werden besser. Meine erste Thüringer Bratwurst habe ich 1991 in der Sächsischen Schweiz gegessen. Die gab's damals an einem beliebten Rastpunkt im Wald, war irgendwie kleiner und reichhaltiger. Aber trotzdem alles interessant.
Wir haben Glück: Dienstag Nachmittag gibt es eine Führung durch das Goethehaus. Unser Erklärmeister hat auch schon zu DDR-Zeiten erklärt, erzählt aber so mitreissend, als täte er es zum allererstenmal. Goethe ist grade heute morgen noch außer Haus gegangen und ich erzähle euch, was er noch so gesagt hat, bevor er in die Kutsche stiegtete. So muss das sein. Desweiteren zeichnet er sich dadurch aus, dass er jedem seiner Schäfchen im Laufe der Führung mindestens einmal, eher aber Wiederholungstäter, aus nächster Nähe tief in die Augen schaut. Männlein wie Weiblein kein Unterschied. Das muss man aushalten. Aber die gesamte Führung durch das Haus ist dermaßen amüsant und kurzweilig, dass man es aushält. Gestern auf der Wartburg war das anders. Da gab es einen fast noch jugendlichen Führer, der unglaublich viel Information auswendig gelernt hat und sie entsprechend runterbetet. Kunstgeschichtler vielleicht. Studenten das Doppelte.

Wenn man sich eine Vergünstigungskarte gekauft hat, die 24 Stunden lang gilt, dann heisst es aber: carpe diem!
Bauhausmuseum, Wittumspalais, zack, zack.
Naja, ganz so zackig dann auch nicht. Das Bauhaus-Muesum ist überraschend klein und übersichtlich. Man stellt sich wahrscheinlich mehr darunter vor, aber schlussendlich reicht es dann doch, um einen Überblick über grundlegende Ideen zu bekommen. Aber nicht für mehr. Es findet sich sogar eine bildnerische Textilarbeit des saarländischen Malers Leo Grewenig dort. Ein kleiner Gruß von früher.
Eine Teekanne mit Stöphchen erinnert an das Burschenschaftsdenkmal von gestern in Eisenach, hat damit aber nix zum Tun.

In der Herderkirche, in deren Nähe sich eine kleine Buchbinderei mit handgemachten Skizzenbüchern befindet, findet sich das Altarbild "Christus am Kreuz" von Lucas Cranach d.Ä. begonnen, von seinem Sohn vollendet.
Im Wittumspalais erklären einem freundliche Aufseherinnen die Redensarten "durch die Lappen gehen" anhand eines entsprechenden Wandbildes und ein Deckengemälde, auf dem sich eine Engelsfigur scheinbar mit dem Betrachter am Boden mitdreht. Ich muss zugeben: eine interessante optische Täuschung, die sich auch so schnell nicht lösen lässt.
Es gibt ein schönes Café mit feiner und reichhaltiger Kuchen- und Tageszeitungsauswahl an der Ecke zur Schillerstraße. Leckere Kürbissuppe. Feines Schwarzbier (gut, das gibt es mittlerweile auch bei uns, aber da ich es zuhause nie trinke...). In Thüringen darf in Gaststätten übrigens noch geraucht werden.
Interessant sind im Vergleich die thüringischen historischen Frauengestalten. Anna Amalia heute. Elisabeth gestern.
Es scheint hier Landesbrauch, die Frauen so früh zu verheiraten und als Mann so früh zu sterben.
Kapitel 7: Montag.
Der Montag beginnt mit dem Gelöbnis: Nie wieder essen nach 18 Uhr! Das war zuviel!
Danach folgt das beste Frühstück der Welt! Wer hätte das gedacht. Die Jugendherberge in Rotenburg a.d.Fulda hat mit das beste Frühstück unserer gesamten Reise: frisches Obst, Quark, feine Brotauswahl und und und, all das, was Magen- und Darmtrakt nach dem gestrigen Exzess wieder genesen lässt!
Dem folgt, nach einer längeren Suche nach der örtlichen Poststelle, was dann automatisch mit einem kleinen Stadtrundgang verbunden ist, noch ein Kaffee in einer Bäckerei mit entsprechendem Ausschank und die Abreise Richtung Eisenach gegen Mittag. (Auch die morgendliche Stimmung in einer solchen Bäckerei mit Kaffeeausschank am Montagmorgen sollte als Reiseeindruck kaum fehlen.)

Der Ausblick vor dem Frühstück. Himmel in Rotenburg.


kein einziges gerades Haus weit und breit!

Der Fluss.
Wo nun genau die Grenze war, lässt sich für den durchreisenden Auswärtigen nicht mehr genau ausmachen. Hier heißen die Orte friedlos und verabschieden den autofahrenden Menschen mit den drei Worten "WIR SEHEN UNS!", und man weiss nicht, ob man sich freuen soll.
Nächster Halt: Eisenach. Die Stadt zeigt eine überraschende Hübsch- und Interessantheit. Der Innenhof des Gymnasiums an der Predigerkirche zeigt sich quer durch alle verfügbaren Jahrhunderte gestückelt. Das Villenviertel trifft ebenfalls sehr unerwartet auf den Eindrucksapparat! Wer hat hier zu DDR-Zeiten wohnen dürfen?

wartburg (japanisch)

bachfuss

Burschenschaftsdenkmal
WARTBURG
BACHFUSS
BURSCHENSCHAFTSDENKMAL
Letzteres sieht man bereits von der Wartburg selbst. Und es sieht von weitem so interessant und merkwürdig aus, dass man denkt: Was ist denn dieses? Und: Das muss ich mir mal aus der Nähe ansehen. Aus der Nähe denkt man dann: Entfernung ist besser. (Die Form wird uns morgen im Bauhausmuseum in Form einer Teekanne wieder begegnen...)
Elisabeth von Thüringen stirbt in Marburg an der Lahn.
Wir fahren über die Autobahn an Weimar vorbei Richtung Jena; die Einfahrt in die Stadt erweist sich als verwirrend und verwickelt und nervenaufreibend, Umleitung hier, Umgehungsstraße da, Schleife links, Schleife rechts, man hat kaum das Gefühl, einem erhofften Zentrum näherzukommen. Wie sich später herausstellt, handelt es sich hier um den vorgelagerten Ort Lobeda. Hier gibt es allerdings nicht viel zu loben.
Jena im Dunkeln ist auch nicht viel besser als Jena im Hellen. Müde und ausgelaugt finden wir dann doch das Jugendgästehaus und wollen grade wieder rückwärts und Kehrtwende: aber zu müde dann doch.
(Man muss sich das einfach nochmal vorstellen: Die Fachwerkidylle von Rotenburg a.d.Fulda, Wartburg und Villenviertel in Eisenach und dann schlussendlich Lobeda: alles an einem Tag.)
Kapitel 8: Freitag und Samstag und Sonntag.
Am ersten Abend Fahrt nach Wöllstein.Die lange, aber schöne Strecke über Kusel und Obermoschel. Auf Obermoschel zufahrend sieht man die beiden Kirchtürme in einem schmalen Spalt eingerahmt über dem Ort thronend: zuerst nur den rechten, weißen, dominanten, dann auch den anderen, der fast die Farbe des Hintergrunds trägt. Eine wirkliche Einstimmung auf so etwas wie eine Reise.
Übernachtung und Betrachtung der bildhauerischen Arbeiten von Stephan Flommersfeld.
Der Samstag birgt einen Besuch in Mainz. Dort gibt es seit kurzem eine Kunsthalle. Dort zeigt man Ausstellungen und die erste davon interessiert uns sehr: Sie trägt den schönen Titel "Alle Zeit der Welt". Auch das integrierte Caféhaus entpuppt sich als Stätte schönen Aufenthaltes. Nur der überaus zuvorkommende Eintrittspreis von 1,- EUR/Person stellt sich, allerdings erst beim nächsten Besuch ein paar Wochen später, als Sonderpreis heraus, der nur an jedem dritten Samstag des Monats gilt. Aber immerhin. Ein schönes Gebäude mit furchtbarem Licht, das durchaus zu Schwindelanfällen und Kopfweh führen kann.
Tags darauf werde ich noch flugs in Ton portraitiert. Anschließend folgt ein kurzer Abstecher nach Neubamberg. Ein kleiner Ort in der Nachbarschaft Wöllsteins, der einen alten Burgberg in seiner Mitte weiss, von dem aus man ganz gut die Gegend überblicken kann. Auch dies eine schöne Einstimmung in so etwas wie eine Reise.
(Hier gibt es Fachwerk - und das wird uns heute noch zweimal in anderer Form begegnen!)
Die eigentliche Fahrt beginnt, vorbei an Frankfurt mit einem spontanen Halt in Marburg. Es wird mein erster Marburg-Besuch überhaupt.

Neubamberg

Marburg
Von hier aus beschließen wir eine Übernachtung in Rothenburg an der Fulda.
Es ist Sonntagabend. Die Menschen in diesem Ort gucken Tatort, das umherstehende Fachwerk scheint kaum belebt. Wir haben Hunger und essen in einem kleinen türkischen Lokal, durchaus lecker, aber viel zuviel Zuviel. Wobei ich es immer noch interessant finde, an einem völlig anderen Ort zu sein und zu wissen, dass zuhause dasselbe Fernsehprogramm angeguckt wird...
Kapitel 9. Samstag. Letzter Tag. Zweiter Teil.
Von Sondershausen fahren wir Richtung Mühlhausen. Nicht nur heißen auch im Elsass Orte ähnlich, sie sehen auch genauso aus. In der Marienkirche, der Kirche Thomas Müntzers, wird ein abendliches Orgelkonzert (mit Chor) geprobt. Nicht viele Lokalitäten haben an diesem Samstagnachmittag geöffnet. Ein, man kann es nicht besser beschreiben, altmodisches Café macht eine rühmliche Ausnahme. Und auch hier lernt man einiges über den Ort. Der Parkplatz ist übrigens samstags kostenlos und die Ausfahrt aus dem Ort nicht leicht zu finden. An einer Ampel spricht uns beglückt eine Dame an, deren Tochter im Neunkircher Vorort Furpach lebt und arbeitet. Die glücklich überraschte Mutter erkennt das Kennzeichen "NK".

Eigentlich wollten wir noch nach Berlin und vielleicht an die Ostsee, aber das Geld ist nix mehr wert und andererseits waren die Köpfe (unsere) dann auch so voller Eindrücke, dass Thüringen erstmal gereicht hat. Es wurde Skizzenbuch geführt und täglich zwei Zeichnungen an einen Zeitungs-, bzw. einen Buchverlag verschickt (anonym und vergleichbar der "100 Tage - 100 Zeichnungen" - Aktion.) Nur kam erstmal nix zurück. Hier an dieser Stelle folgen jetzt in der nächsten Zeit einige Zeichnungen und einige Texte zu den Eindrücken und Erfahrungen dieser Reise.
Kapitel 1: Samstag. Letzter Tag.
Als erstes eine Skizze in der Ausstellung mit Werken von Ronald Paris, der in Sondershausen geboren wurde, und dem die Stadt eine Retrospektive im örtlichen Schloss ausgerichtet hatte.

Graphit in Skizzenbuch, 20x14cm, 26.4.08
Die Zeichnung zeigt eine Frauenfigur aus einem der Paris'schen Gemälde. (Das Skizzenbuch stammt übrigens von einem Buchbinder in Weimar).
Das überall hängende Plakat ermunterte kaum zum Besuch, allerdings das Gespräch mit Herrn Silber in der Trinitatiskirche, in der ein Triptychon Ronald Paris' zur ständigen Präsentation kam.
Die Trinitatiskirche fällt auf durch die ausladende Fürstenloge mit verschließbaren Fenstern, die sich über mehrere Geschosse zieht und eher an ein Theater erinnert. Schon früh soll der Kirchenbau eine Aufführungskirche gewesen sein (auch Franz Liszt war dort, den wir ja bereits in Weimar kennengelernt hatten), Sondershausen versteht sich nicht zuletzt aus dieser Tradition heraus als Musikstadt. Desweiteren gibt es zwei von außen über Treppen zu erreichende Eingänge in Höhe der Empore. Auch dies dem Charakter als Aufführungskirche geschuldet, damit die strömenden Menschenmassen besser zu ihren Plätzen kamen. Wer mehr wissen möchte, sollte Herrn Silber fragen, der nicht nur die Offene Kirche mitinitiiert hat, sondern ab und an vor Ort ist und sich sehr auskunftsfreudig zeigt. Er ist der erste an diesem Tag. Heute ist der Tag der Kommunikation (während sich vor 22 Jahren das Unglück in Tschernobyl ereignete).
Im Schloss dann die Paris-Retrospektive. Und wie bereits gestern im Bauernkriegspanorama zeigen sich auch hier wieder die ganzen Probleme der Malerei und Kunstauffassung in der DDR. (Man will ja immer schreiben: der "ehemaligen" DDR, was aber implizierte, dass es auch eine "jetzige" gebe...wer weiss...)
Dazu erst einmal nur kurz: Ronald Paris hat sehr gute Portraits gemalt. Und Landschaften. Problematisch wird es dort, wo er sich nicht auf die Beobachtung, die eigene Anschauung der Dinge verlässt, sondern der Kunst ein Ziel überstülpt, einen von außen gewollten Inhalt. Dieser wird so übermächtig, ist auch durch die Formalien des Bildes nicht wirklich entschlüsselbar (man muss dann wissen, was diese und jene Figur bedeuteten soll, was aber aus dem Bild selbst nicht immer unbedingt herzuleiten ist), dass er in dieser Form bildkünstlerisch nicht zu bewältigen ist; es ist eine Form gemalter literarischer Aussage. Auch ein Protest über Krieg und Gewalt lässt einen dadurch unberührt. Dies gilt durchaus auch für den Altar in der Trinitatiskirche. Dort wo er aber Mensch und Natur beobachtet ohne große Absicht, dort spürt man wirkliches Interesse und Anteilnahme und das überträgt sich auch auf den Betrachter.

Lampe in Sondershausen
Der zweite kommunikative Überfall dann in dieser Ausstellung. Eine der Aufseherinnen, in etwa in unserem Alter, vielleicht auch etwas jünger: "Darf ich fragen, von woher Sie kommen? Wir führen hier eine Statistik." Und daran anschließend: "Wie kommt man denn auf die Idee, hierher zu uns zu fahren?" Diese Frage begegnet uns heute bereits zum zweitenmal, als ob man hier, vergleichbar unserem eigenen Zuhause, dort aber aus anderem Grund, unter einem permanenten kollektiven Minderwertigkeitsgefühl zu leiden hätte. Nur Ossis interessieren sich für Ossis. Zumindest für eine so abgelegene Gegend. (Wobei das nicht stimmt; es waren auch schon Besucher aus Stuttgart in der Ausstellung. Wir halten dann allerdings doch den Entfernungsrekord. Obwohl, messt es mal auf der Karte nach...)
Jedenfalls löst die Frage einiges aus und wir genießen eine individuelle, wenn auch zurückhaltende Führung durch einige Teile der Ausstellung (den zweiten Raum hätten wir sogar komplett verpasst, denn wir dachten, es sein bereits alles gewesen, nee, da müssen sie sich auch noch den anderen Raum ansehen...)
Desweiteren auffallend in Sondershausen: nix los.

Ausblick Sondershausen
Statt netter Kneipen, wo wir denken, abends noch ein Abendbier zu trinken und eine Abendwurst zu essen, viele viele Antiquitätenläden (aha) und dann doch noch in einer Seitenstraße den Schlösserwirt. So schreib ich's erstmal hin, genaue Recherche dann heute nachmittag und Korrektur morgen früh. Laut Auskunft unserer Jugendherbergsmutter (die jünger ist als wir) eine ehemalige teure Szenekneipe zu DDR-Zeiten. Heute abend (und auch an anderen Abenden) kostet das Bier 1,70 EUR und ein Teller mit Thüringer Bratwurst und selbstgemachtem Kartoffelsalat und selbstausgedachter sehenswerter Tellerdeko für 3 EURirgendwas. Der Wessi freut sich und hätte solche Preise gerne auch zuhause, kann man aber nicht einfach als Souvenir mitnehmen...
Der Zugang zur Kneipe selbst ist auch schon eine Reise wert: durch ein Treppenhaus und viele Winkel steht man, so scheint's, vor einer normalen Wohnungstür, doch drinnen dann: kleiner Raum, Tresen, Wirt, seine Frau und/oder Freundin, die Hunde (zwei) und ein Gast. Keine Musik. Gast und Wirtsleute in Unterhaltung begriffen. C'est tout. Wir wollten während Abendbier und -wurst eigentlich ein bißchen über Sondershausen in unserem entliehenen Dumont-Kulturreiseführer über Sondershausen blättern, aber in diesem Umfeld wirkt das dann doch eher merkwürdig. Die Bratwurst gehört in unserer laufenden Testreihe zu den guten. Lecker.
Nach dem Retrospektivenbesuch beschließen wir, noch einen Abstecher in Mühlhausen zu machen und von dort aus dann den Heimweg anzutreten.

Tuebke sinniert die Völkerschlacht, Tuschen, goldfarbiger Stift, Karton, 14x19,2cm, 28.4.08
Kapitel 2: Freitag.
Freitag fuhren wir nach einer Besichtigung Buchenwalds weiter nach Bad Frankenhausen, von dem wir allerdings nicht allzuviel gesehen haben; auch den Kyffhäuser haben wir erst einmal nicht weiter bachtet, unser Hauptaugenmerk lag auf dem Bauernkriegspanorama mit dem Rundbild von Werner Tübke.
Man kann es kaum verfehlen. Schon aus großer Entfernung sieht man diesen von Außerirdischen hingepflanzten Rundbau über der Landschaft thronen.

Am Schlachtberg 9 lautet die Adresse. Und dies nicht ohne Grund. Der Parkplatz befindet sich auffallend abseits des Hauptgeschehens, nichts gegen ein paar Meter zu Fuß, traue keinem Gedanken, der nicht im Freien entstanden ist, aber dennoch ist es interessant: Man denkt unwillkürlich an sonn- oder feiertägliche Familienausflüge, wo man auf leicht mäanderndem Weg zum Ort der Belehrung und ideellen Erbauung hingeführt wird. Ähnlich barocker Treppenanlagen, die einen stetig ansteigend zielgerichtet zum Zentrum der Macht hochführen. Ich bin klein und muss da hoch. Die Familie mäandert wie auf einem Sonntagnachmittagsspaziergang zum Zentrum eines der grundlegenden Mythen der DDR.

halbverfaulte Gaststätte kurz hinter dem Parkplatz
Auch drinnen dann DDR-Grundstimmung (so stellt man es sich zumindest vor): zwei Menschen, die Eintrittskarten verkaufen, wahrscheinlich der späten Stunde geschuldet (eine Stunde vor Museumsschluss) kaum Besucher, ein Mensch, der an einer steil nach oben führenden Treppe stehend, in seiner Museumswärteruniform die Eintrittskarten abreisst und einem erklärt, dass man nun diese Treppen hoch und dann oben links usw. ...
Auf der Zwischenablage dann noch eine Ausstellung mit großformatigen Pastellen.
Dann der überwältigend große und ins Dunkle getauchte Saal. In der Mitte Sitzwürfel, auf denen Menschen sitzen und einem Vortragenden lauschen, der das Bild erklärt. Steht man ein wenig abseits, findet man diese Erklärungen ob der furchtbaren Akustik dieses Saals zunehmend nervend und störend. Alle halbe Stunde eine Erklärungsrunde (sic!, denn man dreht sich auf den Hockern mit und wird rund ums Bild erklärt): die nächste hören wir dann doch an und man sollte dies tun. Vieles erschließt sich durchaus auch ohne Vortrag, das meiste allerdings nicht. Man braucht zu vielen der dargestellten Personen und Geschehnisse Erklärungen, zumindest Hinweise, die einem die Aufmerksamkeit ein wenig lenken. Das Bild ist um ein vielfaches größer, als ich es mir vorgestellt hatte. Und es ist beeindruckend und verstörend und Fragen aufwerfend zugleich. Wie kommt man auf die Idee, sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts mit solch einer Bildsprache auseinanderzusetzen? Ist dies dem Thema gemäß und entsprechend sinnvoll? Oder ist das ganze einfach nur pompös? Ein Vergleich mit formal-inhaltlichen Ansätzen eines Anselm Kiefer etwa wäre nicht uninteressant. Oder ein Vergleich mit der Malweise und Bildsprache eines Neo Rauch. Am Ende des Vortrages wird der Saal wieder aufgehellt und langsam abgedunkelt, was eine gute Idee ist. Es wirft, im ganz einfachen, aber überzeugenden Sinne, ein anderes Licht auf die Sache.
(Die Ironie der Geschichte besteht ja nicht zuletzt auch darin, dass das Panorama endlich endlich eingeweiht wurde, kurz bevor die DDR dann einfach nicht mehr existierte.)(Von Außen sieht es aus wie ein Ding aus der Zukunft, im Innern befindet man sich plötzlich im Mittelalter).
Vor dem Besuch im Bauernkriegspanorama stand eine Besichtigung der Gedenkstätte Buchenwald.
Trefflich zum Thema werden wir hier von einem wolkenbruchartigen Regen begrüßt. Und ein folgerichtiger Gedanke beim Rundgang drängt sich später auf: auch hier muss die Sonne geschienen haben. Und was muss das für ein Gefühl gewesen sein, man war hier drin und es war schönes Wetter? Und wenn ich mich recht entsinne, wird das von Jorge Semprún in dem Roman "Was für ein schöner Sonntag" auch an einer Stelle beschrieben.
Das auf die Reise mitgebrachte Skizzenbuch endet mit den Zeichnungen aus Buchenwald. Sehr zurückgenommenen Zeichnungen; dies schien mir angemessen und auch kaum anders möglich. Später entstanden dann auf Karton "Verarbeitungen", Blätter in Mischtechniken auf Karton. Aber nicht von allem.
ELEKTRISCH GELADENER STACHELDRAHT
FLECKFIEBERVERSUCHSSTATION
LAGERBORDELL
KOPFSCHUSSANLAGE
Die Museums-Wärter in Buchenwald lesen die Bild Zeitung.
Dies und die Zeichnungen müssen als Eindruck genügen.










Sehr empfehlenswert ist auch das Buch "100 Zeichnungen aus dem Lager Buchenwald" mit Zeichnungen des ehemaligen Häftlings Paul Goyard. Sein Nachname klingt ganz ähnlich wie Goya...
Art Spiegelmans "Maus".
Kapitel 3: Donnerstag, nachmittags.
Ein Tag vor Buchenwald war Cospeda.
Cospeda 1806, Buchenwald, Schlacht im Bauernkrieg 1525 - alles auf engstem Raum. Man fährt umher, ralativ ziellos, Goethe und Napoleon waren aber immer schon vor uns da, und überall wurden Köpfe eingeschlagen.
Wenn man in Jena wohnt und über die Landstraße nach Weimar fährt, kommt man an einem Hinweisschild vorbei, auf dem die Zahl 1806 zu finden ist. Diese Zahl ist uns bei der Besichtigung des Goethehauses in Weimar bereits einmal begegnet. Goethe heiratet in diesem Jahr Christiane Vulpius. Dies hat nicht zuletzt auch seinen Grund darin, dass die Schlacht bei Jena und Auerstedt bis nach Weimar spürbar ist. Die Verwundeten liegen in den Straßen Weimars (dans la rue) und die Lage ist gefährlich.
Fährt man also dem Hinweisschild nach, landet man in einem Dörfchen namens Cospeda. Man kann dann die dort befindliche Gedenkstätte besuchen, oder einfach Richtung Napoleonstein laufen. Vor diesem Gedenkstein, der sich auf einer kleinen Anhöhe findet, steht eine Ruhebank, von der aus man Jena sehen kann, nicht zuletzt auch die obere Hälfte des Uni-Turmes. Hätten wir also heute morgen gewusst, in welche Richtung wir blicken müssten...
Man kann diese Anhöhe, diese leicht an- und absteigenden Hügel also abschreiten und sich vorzustellen versuchen, wie es war, als sich Franzosen und Preussen hier die Köpfe eingeschlagen haben. Man sollte es mal in "Krieg und Frieden" nachschlagen; die Beschreibungen der Schlachtszenen dort sind ja durchaus sehr detailreich und anschaulich. Was könnte morgendlicher Nebel für eine Rolle gespielt haben? Schlechtes Wetter?
Wir sitzen hier oben, sind todmüde und schlafen auf der Bank und gucken nach Jena und unwillkürlich denkt man, man könne sich vorstellen, wie man hier ums nackte Überleben gestritten hat, man kann fast das Schlachtgetümmel noch hören, wenn man nur ein bisschen die Phantasie anstrengt: und doch bleibt dieses Gemetzel unvorstellbar. Goethe trifft sich mit Napoleon in Erfurt 1808.

COSPEDA, Tusche und Graphit auf Karton, 13,6x17,3cm, 24.4.08
Wir beschliessen, nicht in Copseda nach einem Zimmer zu suchen, sondern auf der halben Strecke zwischen Jena und Weimar in Hemmerstedt.

Hemmerstedt

Ausblick Hemmerstedt

Ausblick in eine andere Richtung
Wir landen in einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit Gästezimmer. Abends Fahrt nach Weimar, um uns von der Stadt langsam zu verabschieden. Dort den Film "Tanz mit der Zeit" gesehen, der wohl leider in Kinos im westlichen Teil Deutschlands kaum gezeigt werden wird. Schade eigentlich. (Und auch das gehört unbedingt zu einer Reise: Besuch eines kleinen alternativen Programmkinos.)
Bei der Abfahrt am nächsten Morgen schenkt man uns noch selbstgelegte Eier. Ein längeres Gespräch mit der Mutter der Zimmerwirtin schließt sich an. Wir erfahren einiges über die Probleme der landwirtschaftlichen Produktionsweise in der DDR über mehrere Jahrzehnte, dass die Zimmer, die jetzt auf Dauer oder an Durchreisende vermietet werden, ursprünglich Schweineställe haben werden sollen, durch den Fall der Mauer dieses Geschäft aber nicht mehr rentabel gewesen sei. So quartiert man nun Gäste ein und betreibt ein wenig Landwirtschaft - allerdings ohne Schweine. Die Klassiker der Empirezeit zur Linken, die Schlacht bei Jena und Auerstedt zur Rechten, ein paar Meter weiter die Zeitzwerge, und dazwischen das Leben auf dem Dorf und gottseidank hat die Tochter jetzt Arbeit in der Fabrik in Apolda.
Kapitel 4: Donnerstag.


Wir verlassen morgens das Gästehaus nach drei Tagen und beschließen eine genauere Inspektion der Innenstadt Jenas. Ein Parkplatz an der Uni, in einer Seitenstraße der uns bereits vertrauten Ausfallstraße Richtung Weimar, lässt uns, fast wie durch Zufall, auf den Friedhof neben der Friedenskirche treffen. Eine Entdeckung. Die Kirche ist leider geschlossen, ein Hinweisschild, der Schlüssel könne im Gartenhaus abgeholt werden, stammt wohl noch aus Schillers Zeiten, ein Gartenhaus ist nicht ausfindig zu machen. Von oben sieht die Kirche allerdings recht interessant aus, wie man von der Aussichtsplattform des sogenannten "Unidurms" aus gut sehen kann.





Dieser "Unidurm" schien mir wie ein Relikt aus der Eroberungsphase der Ostländer. Er wirkt auf den ersten Blick, als habe man als phallisches Fanal der beginnenden Blüte der Ostländer einen solchen Turm zu Ehren von Carl Zeiss und Jena mitten in die Stadt gepflanzt. Falscher Eindruck: Der Turm stammt aus DDR-Zeiten und glänzt und strahlt trotzdem denkadent westlich vor sich hin, sollte aber wohl ähnlich repräsentative Zwecke erfüllen. Man kann es auch noch lesen: Es steht Intershop dran. Nur: mit Devisen kann man wohl nicht mehr bezahlen. Von oben betrachtet sieht Jena entfernt aus, der Lärm der Stadt dringt trotzdem nach oben, wird aber erträglich. In Weimar möchte man wohnen, in Jena nicht. Schillers Gartenhaus (hier hätte man sich theoretisch eine Bleibestatt vorstellen können) steht eingeklemmt zwischen dem Theater und einer weiteren dicht befahrenen Straße. Die Bank, auf der sich Goethe und Schiller abends beim Gespräch gegenüber saßen, befindet sich jetzt direkt an der Straße und man kann sie sich hier nicht mehr plaudernd vorstellen. Mit dem Lärm des Straßenverkehrs im Hintergrund hätte sich die Klassik ganz anders entwickelt...oder auch gar nicht.
Die heutige Thüringer Bratwurst wird an einem Stand auf dem Markt eingenommen. Wir lernen, dass die original Thüringer Bratwurst nicht vorgebrüht ist, weshalb der Standbetreiber das, was er an Vorrat eingekauft hat, auch möglichst bald verbrauchen muss. Vorgebrühte Bratwurst ist keine original Thüringer Bratwurst.


Kapitel 5: Mittwoch.
Klassische Stadtbesichtigung in der Stadt der Klassiker. Stadtbesichtigungen werden hier en masse angeboten, es ist aber durchaus sinnvoll, tatsächlich mal eine davon wahrzunehmen. Dass man als Gruppe öffentlich durch die Gegend geführt wird, neckt ja ein wenig die Eitelkeit, aber unter der Hand gibt es dann immer ein paar Hinweise und Tipps, die man sonst nicht bekommen hätte. Und nicht zuletzt ist es auch interessant zu beobachten, wer sich mit einem selbst so durch die Straßen führen lässt.

Stuhl im Schillerhaus

Franz Liszt
Den alten Friedhof hätten wir vielleicht auch alleine entdeckt, vielleicht auch den Weg zur Bauhaus-Schule; jedenfalls finde ich nachmittags von ganz alleine den Goetheplatz und zur Hauptpost und das dort befindliche Kino, wo abends "Tanz mit der Zeit" läuft. Auch das Haus mit der Inschrift "In diesem Haus wohnten durch alle Jahrhunderte ganz normale Weimarer Bürger" (sinngemäß zitiert, vielleicht sogar wortwörtlich) findet sich beim Sich-durch-die-Gassen-treiben-lassen.
Dass aber Goethe der guten Frau von Stein, quasi einen Steinwurf von seinem eigenen Hause entfernt, einen Gingko-Baum wie einen auf ewig lange Zeit und langsam wachsenden Phallus direkt vor die Haustür pflanzen ließ, diesen Hinweis auf den Baum hätte man missen müssen. Und dieser Gedankenschweif Richtung letzterem, wäre einem ohne Stadtführung dann halt auch nicht gekommen.
Dass die Bevölkerung in den Höhlen unter dem Ilm-Park im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Fliegerangriffen gesucht hat wäre uns ebenfalls verborgen geblieben. Ebenso fehlte einem wohl der Hinweis auf den kleinen russischen Soldatenfriedhof am Rande der Parkanlage, der nichts anderes war als eine Art Duftmarke der Sowjets, die Thüringen nach dem Krieg im Tausch gegen West-Berlin erhielten.
Überhaupt stellt sich einem die Frage nach der Zerstörung im Krieg. Hierzu scheint es allerdings unterschiedliche Ansichten zu geben, warum auch immer. Behaupten die einen, die Zerstörungen seien kaum der Rede wert gewesen, die Alliierten hätten kein großes Interesse an einem Bombardement Weimars gehabt, trotz (oder gerade wegen) der Nähe Buchenwalds, liest man andererseits sogar davon, dass Nationaltheater und Schillerhaus zerstört gewesen sein sollen.
Die sowjetische Vergangenheit des Lagers Buchenwald, das nach dem Krieg von den Sowjets einfach zu vergleichbarem Zwecke wie vorher weiter benutzt worden ist, wird einem zudem nahegelegt. Zu DDR Zeiten war dies nichts, was geschehen sein durfte.

Weimar. Alter Friedhof.
Das Schiller-Wohnhaus liegt so beiläufig am Weg, dass man es erst einmal kaum wahrnimmt. Goethe war dar ein ganz anderer Protz. Es wird einem ja immer mehr oder minder dezent die unterschiedliche ökonomische Lage der beiden angedient. Schillers Haus ist erfrischend klein. Interessant auch eine Vitrine mit Spielsachen der Kinder. Man möchte dann aber doch mal wissen, in welchen Häusern so der "normale" Weimaraner Einwohner gelebt hat. Zu jener Zeit.
(Das Gartenhaus in Jena würde einem zum Leben ja auch schon reichen, obwohl sich bei jeglicher Hausbesichtigung die Frage stellt, wie sah es eigentlich aus mit der täglichen Hygiene?)
Eine Amerikanerin versucht sich mit den Angestellten an Kasse und Museumsshop zu unterhalten und man kann aus dem ein oder anderen Satzfetzen schließen, dass ihr Vater während des Krieges wohl in Buchenwald war und sie jetzt diese Orte aus der Vergangenheit nun selbst einmal aufsuchen will...
Besuchen Sie das Liszt-Haus! Bringen Sie Ohren mit und Zeit: mit Kopfhörern ausgestattet stöpselt man sich von Musikbeispiel zu Musikbeispiel, auf kleinen Hockern sitzend möchte man doch gerne alles hören, aber irgendwann ist man einfach nicht mehr aufnahmefähig. Man notiert sich schnell noch ein paar Stücke. Les années de pélerinage. Man zieht, einen baldigen Kaffee vor dem geistigen Auge, von dannen und wünscht ein größeres Ohr. Der späte Franz Liszt sieht ein wenig aus wie der später Pierre Brice.

Stadtbesichtiger.
Der Tag endet mit einem Abendbier vor dem Schwarzen Bären. Der könnte natürlich auch Brauner Bär heißen. (So hieß im Westen aber auch mal ein Eis?)Es handelt sich um das traditionsreichste Hotel Weimars. Charlotte Buff steigt dort ab, zumindest in Thomas Manns Roman "Lotte in Weimar". Und Adolf Hitler steigt dort ab und winkt vom Balkon. in echt. Weimar war schon früh eine braune Hochburg. Nicht jede Kultur ist Hochkultur. Es gibt aber auch ein Kandinsky-Zimmer. Frag mich, wie das aussieht.
Trotzdem sitzt man hier nicht schlecht vor dem Braunen Bären mit dem Blick über den Marktplatz schweifend. Ich trinke Schwarzbier und keinen "Kleinen Braunen", den man ja bekanntlich nur in Wien bestellen kann.
Soviel Geschichte auf so wenig Quadratmetern...
Rückfahrt nach Jena ins Jugendgästehaus: eine völlig andere Welt.
Unterwegs verstehe ich Lisa nur unklar, als sie nach den Zeiss-Werken fragen will: Welche Zeit-Zwerge meint sie jetzt? Zeit-Zwerge?? Ein Denkmal, das wir irgendwo gesehen haben??? Ein Brunnen mit lsutigen kleinen Figuren? Carls Zeitzwerge werden zum stehenden Begriff.

Kapitel 6: Dienstag.
Am Dienstagmorgen unser erstes Frühstück im Jugendgästehaus. Gestern abend nach dem ersten Eindruck wollten wir am liebsten gleich wieder fahren, aber was macht man nicht alles, wenn man müde ist?
Heute morgen finden wir das alles hochinteressant. In diesem Haus übernachten ein paar Menschen wie wir, auf Durchreise, auf Reise, aber auch viele Jugendgruppen, die hier, so wie es aussieht, ein paar Tage lang Lehrgänge zu ihren Ausbildungsberufen besuchen und jetzt gleich in ihre Fortbildungen gehen. Entsprechendes Lehrpersonal. Ganz viele Menschen, die hier arbeiten. Jugendliche, die die Tische eindecken, andere, die das schmutzige Geschirr zum Abspülen wegrollen, viele arbeiten in der Küche. Sieht nach ABM Maßnahmen aus, jedenfalls werden hier Menschen beschäftigt, die wohl sonst kaum Arbeit bekämen. Das Frühstück von gestern früh ist wohl kaum zu überbieten, aber auch dieses ist akzeptabel, wenn auch sehr standardisiert - nichts außergewöhnliches. Aber wie war es denn vor vierzehn Jahren zu meiner Zeit als Nachtportier in Mainz? Das sah dort auch nicht viel anders aus...

(der Blick aus dem Plattenbau ist besser als der Blick auf den Plattenbau...)
Fahrt nach Weimar. Wir beschließen, nicht den längeren und scheint's komplizierteren Weg über die Autobahn zu nehmen, die vielen verwirrenden Schleifen gestern abend waren nervenaufreibend genug, sondern die Landstraße nach Weimar zu finden. Dies gelingt auch (im zweiten Anlauf): endlich aus dieser Stadt wieder raus, sie tut alles, um uns nicht zu gefallen. Laut, unübersichtlich, schlecht ausgeschildert.
Wir finden am Rande von Weimar einen recht hübschen und kostenfreien Parkplatz und laufen los.

Das erste, was wir von dieser Stadt der Klassiker wahrnehmen, ist der Penner, der zwischen den Bäumen schläft. Und dies kaum außerhalb des Zentrums, denn:
schneller als vermutet sind wir mittendrin, Weimar scheint überhaupt fast nur aus einem Mittendrin zu bestehen. Wir entdecken beiläufig alle möglichen Dinge und beschließen, auf dem Marktplatz angekommen, eine Thüringer Bratwurst zu probieren. Und dies für die restlichen Tage zu einem Fixpunkt zu machen. Lisas überhaupt allererste Thüringer Bratwurst ist eher nicht auf Fortsetzung angelegt. Aber die nächsten Tage werden besser. Meine erste Thüringer Bratwurst habe ich 1991 in der Sächsischen Schweiz gegessen. Die gab's damals an einem beliebten Rastpunkt im Wald, war irgendwie kleiner und reichhaltiger. Aber trotzdem alles interessant.
Wir haben Glück: Dienstag Nachmittag gibt es eine Führung durch das Goethehaus. Unser Erklärmeister hat auch schon zu DDR-Zeiten erklärt, erzählt aber so mitreissend, als täte er es zum allererstenmal. Goethe ist grade heute morgen noch außer Haus gegangen und ich erzähle euch, was er noch so gesagt hat, bevor er in die Kutsche stiegtete. So muss das sein. Desweiteren zeichnet er sich dadurch aus, dass er jedem seiner Schäfchen im Laufe der Führung mindestens einmal, eher aber Wiederholungstäter, aus nächster Nähe tief in die Augen schaut. Männlein wie Weiblein kein Unterschied. Das muss man aushalten. Aber die gesamte Führung durch das Haus ist dermaßen amüsant und kurzweilig, dass man es aushält. Gestern auf der Wartburg war das anders. Da gab es einen fast noch jugendlichen Führer, der unglaublich viel Information auswendig gelernt hat und sie entsprechend runterbetet. Kunstgeschichtler vielleicht. Studenten das Doppelte.

Wenn man sich eine Vergünstigungskarte gekauft hat, die 24 Stunden lang gilt, dann heisst es aber: carpe diem!
Bauhausmuseum, Wittumspalais, zack, zack.
Naja, ganz so zackig dann auch nicht. Das Bauhaus-Muesum ist überraschend klein und übersichtlich. Man stellt sich wahrscheinlich mehr darunter vor, aber schlussendlich reicht es dann doch, um einen Überblick über grundlegende Ideen zu bekommen. Aber nicht für mehr. Es findet sich sogar eine bildnerische Textilarbeit des saarländischen Malers Leo Grewenig dort. Ein kleiner Gruß von früher.
Eine Teekanne mit Stöphchen erinnert an das Burschenschaftsdenkmal von gestern in Eisenach, hat damit aber nix zum Tun.

In der Herderkirche, in deren Nähe sich eine kleine Buchbinderei mit handgemachten Skizzenbüchern befindet, findet sich das Altarbild "Christus am Kreuz" von Lucas Cranach d.Ä. begonnen, von seinem Sohn vollendet.
Im Wittumspalais erklären einem freundliche Aufseherinnen die Redensarten "durch die Lappen gehen" anhand eines entsprechenden Wandbildes und ein Deckengemälde, auf dem sich eine Engelsfigur scheinbar mit dem Betrachter am Boden mitdreht. Ich muss zugeben: eine interessante optische Täuschung, die sich auch so schnell nicht lösen lässt.
Es gibt ein schönes Café mit feiner und reichhaltiger Kuchen- und Tageszeitungsauswahl an der Ecke zur Schillerstraße. Leckere Kürbissuppe. Feines Schwarzbier (gut, das gibt es mittlerweile auch bei uns, aber da ich es zuhause nie trinke...). In Thüringen darf in Gaststätten übrigens noch geraucht werden.
Interessant sind im Vergleich die thüringischen historischen Frauengestalten. Anna Amalia heute. Elisabeth gestern.
Es scheint hier Landesbrauch, die Frauen so früh zu verheiraten und als Mann so früh zu sterben.
Kapitel 7: Montag.
Der Montag beginnt mit dem Gelöbnis: Nie wieder essen nach 18 Uhr! Das war zuviel!
Danach folgt das beste Frühstück der Welt! Wer hätte das gedacht. Die Jugendherberge in Rotenburg a.d.Fulda hat mit das beste Frühstück unserer gesamten Reise: frisches Obst, Quark, feine Brotauswahl und und und, all das, was Magen- und Darmtrakt nach dem gestrigen Exzess wieder genesen lässt!
Dem folgt, nach einer längeren Suche nach der örtlichen Poststelle, was dann automatisch mit einem kleinen Stadtrundgang verbunden ist, noch ein Kaffee in einer Bäckerei mit entsprechendem Ausschank und die Abreise Richtung Eisenach gegen Mittag. (Auch die morgendliche Stimmung in einer solchen Bäckerei mit Kaffeeausschank am Montagmorgen sollte als Reiseeindruck kaum fehlen.)

Der Ausblick vor dem Frühstück. Himmel in Rotenburg.


kein einziges gerades Haus weit und breit!

Der Fluss.
Wo nun genau die Grenze war, lässt sich für den durchreisenden Auswärtigen nicht mehr genau ausmachen. Hier heißen die Orte friedlos und verabschieden den autofahrenden Menschen mit den drei Worten "WIR SEHEN UNS!", und man weiss nicht, ob man sich freuen soll.
Nächster Halt: Eisenach. Die Stadt zeigt eine überraschende Hübsch- und Interessantheit. Der Innenhof des Gymnasiums an der Predigerkirche zeigt sich quer durch alle verfügbaren Jahrhunderte gestückelt. Das Villenviertel trifft ebenfalls sehr unerwartet auf den Eindrucksapparat! Wer hat hier zu DDR-Zeiten wohnen dürfen?

wartburg (japanisch)

bachfuss

Burschenschaftsdenkmal
WARTBURG
BACHFUSS
BURSCHENSCHAFTSDENKMAL
Letzteres sieht man bereits von der Wartburg selbst. Und es sieht von weitem so interessant und merkwürdig aus, dass man denkt: Was ist denn dieses? Und: Das muss ich mir mal aus der Nähe ansehen. Aus der Nähe denkt man dann: Entfernung ist besser. (Die Form wird uns morgen im Bauhausmuseum in Form einer Teekanne wieder begegnen...)
Elisabeth von Thüringen stirbt in Marburg an der Lahn.
Wir fahren über die Autobahn an Weimar vorbei Richtung Jena; die Einfahrt in die Stadt erweist sich als verwirrend und verwickelt und nervenaufreibend, Umleitung hier, Umgehungsstraße da, Schleife links, Schleife rechts, man hat kaum das Gefühl, einem erhofften Zentrum näherzukommen. Wie sich später herausstellt, handelt es sich hier um den vorgelagerten Ort Lobeda. Hier gibt es allerdings nicht viel zu loben.
Jena im Dunkeln ist auch nicht viel besser als Jena im Hellen. Müde und ausgelaugt finden wir dann doch das Jugendgästehaus und wollen grade wieder rückwärts und Kehrtwende: aber zu müde dann doch.
(Man muss sich das einfach nochmal vorstellen: Die Fachwerkidylle von Rotenburg a.d.Fulda, Wartburg und Villenviertel in Eisenach und dann schlussendlich Lobeda: alles an einem Tag.)
Kapitel 8: Freitag und Samstag und Sonntag.
Am ersten Abend Fahrt nach Wöllstein.Die lange, aber schöne Strecke über Kusel und Obermoschel. Auf Obermoschel zufahrend sieht man die beiden Kirchtürme in einem schmalen Spalt eingerahmt über dem Ort thronend: zuerst nur den rechten, weißen, dominanten, dann auch den anderen, der fast die Farbe des Hintergrunds trägt. Eine wirkliche Einstimmung auf so etwas wie eine Reise.
Übernachtung und Betrachtung der bildhauerischen Arbeiten von Stephan Flommersfeld.
Der Samstag birgt einen Besuch in Mainz. Dort gibt es seit kurzem eine Kunsthalle. Dort zeigt man Ausstellungen und die erste davon interessiert uns sehr: Sie trägt den schönen Titel "Alle Zeit der Welt". Auch das integrierte Caféhaus entpuppt sich als Stätte schönen Aufenthaltes. Nur der überaus zuvorkommende Eintrittspreis von 1,- EUR/Person stellt sich, allerdings erst beim nächsten Besuch ein paar Wochen später, als Sonderpreis heraus, der nur an jedem dritten Samstag des Monats gilt. Aber immerhin. Ein schönes Gebäude mit furchtbarem Licht, das durchaus zu Schwindelanfällen und Kopfweh führen kann.
Tags darauf werde ich noch flugs in Ton portraitiert. Anschließend folgt ein kurzer Abstecher nach Neubamberg. Ein kleiner Ort in der Nachbarschaft Wöllsteins, der einen alten Burgberg in seiner Mitte weiss, von dem aus man ganz gut die Gegend überblicken kann. Auch dies eine schöne Einstimmung in so etwas wie eine Reise.
(Hier gibt es Fachwerk - und das wird uns heute noch zweimal in anderer Form begegnen!)
Die eigentliche Fahrt beginnt, vorbei an Frankfurt mit einem spontanen Halt in Marburg. Es wird mein erster Marburg-Besuch überhaupt.

Neubamberg

Marburg
Von hier aus beschließen wir eine Übernachtung in Rothenburg an der Fulda.
Es ist Sonntagabend. Die Menschen in diesem Ort gucken Tatort, das umherstehende Fachwerk scheint kaum belebt. Wir haben Hunger und essen in einem kleinen türkischen Lokal, durchaus lecker, aber viel zuviel Zuviel. Wobei ich es immer noch interessant finde, an einem völlig anderen Ort zu sein und zu wissen, dass zuhause dasselbe Fernsehprogramm angeguckt wird...
Kapitel 9. Samstag. Letzter Tag. Zweiter Teil.
Von Sondershausen fahren wir Richtung Mühlhausen. Nicht nur heißen auch im Elsass Orte ähnlich, sie sehen auch genauso aus. In der Marienkirche, der Kirche Thomas Müntzers, wird ein abendliches Orgelkonzert (mit Chor) geprobt. Nicht viele Lokalitäten haben an diesem Samstagnachmittag geöffnet. Ein, man kann es nicht besser beschreiben, altmodisches Café macht eine rühmliche Ausnahme. Und auch hier lernt man einiges über den Ort. Der Parkplatz ist übrigens samstags kostenlos und die Ausfahrt aus dem Ort nicht leicht zu finden. An einer Ampel spricht uns beglückt eine Dame an, deren Tochter im Neunkircher Vorort Furpach lebt und arbeitet. Die glücklich überraschte Mutter erkennt das Kennzeichen "NK".

von zeichenblock um # 10:31 in ostlandreise
Samstag, 09.08.2008
wir sind alle individuen: ich nicht!
Seit dem 5.10.2001, dem Tag der Beisetzung meines Vaters, mache ich, möglichst an jedem fünften eines Monats (der März, mein Geburtsmonat, ist davon meist ausgenommen), ein Foto am Automaten. Dies ist keine neue Idee, fürwahr, aber es interessiert mich trotzdem.
Dieser Eintrag enthält nun komplett die ersten neun Jahre und elf Monate.
(Dass die Fotos nicht mehr alle um den 5. eines Monats gemacht werden, hängt u.a. auch damit zusammen, dass es derzeit in Neunkirchen keinen entsprechenden Fotoautomaten mehr gibt. Derjenige am Bahnhof ist doof und verzerrt die Bilder unendlich in die Breite, derjenige in der Innenstadt ist einem Geldabgebeautomaten gewichen. In Saarbrücken gibt es einen geeigneten Automaten am Bahnhof. Der war gestern z.B. außer Betrieb. Also muss das Konzept den Umständen entsprechend ein wenig aufgeweicht werden. Wird's aber überleben...)





















Der Fotoautomat in der Stadtmitte fehlt und wurde durch einen Geldautomaten ersetzt. Der Automat am Bahnhof zieht mich in die Breite.

























































































Dieser Eintrag enthält nun komplett die ersten neun Jahre und elf Monate.
(Dass die Fotos nicht mehr alle um den 5. eines Monats gemacht werden, hängt u.a. auch damit zusammen, dass es derzeit in Neunkirchen keinen entsprechenden Fotoautomaten mehr gibt. Derjenige am Bahnhof ist doof und verzerrt die Bilder unendlich in die Breite, derjenige in der Innenstadt ist einem Geldabgebeautomaten gewichen. In Saarbrücken gibt es einen geeigneten Automaten am Bahnhof. Der war gestern z.B. außer Betrieb. Also muss das Konzept den Umständen entsprechend ein wenig aufgeweicht werden. Wird's aber überleben...)





















Der Fotoautomat in der Stadtmitte fehlt und wurde durch einen Geldautomaten ersetzt. Der Automat am Bahnhof zieht mich in die Breite.
























































































